Emissionshandel / CO2 – Marktbericht vom 16.02.2026

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Vulnerabilität des Europäischen Emissionshandelssystems EU ETS hätte nicht besser demonstriert werden können, als in den vergangenen beiden Wochen.

Sobald Äußerungen von politischer Seite fallen, welche die Wirksamkeit des funktionierenden Emissionshandelssystems konterkarieren, reagiert der Kurs mit extrem hoher Volatilität.

Nachdem es schon zu deutlichen Kurseinbußen kam, als Gerüchte die Runde machten, dass das EU ETS bei den Reformvorschlägen Mitte dieses Jahres abgeschwächt werden könnte, da es aufgrund der Reduzierung des Ziels, die Treibhausgasemissionen 2040 nicht mehr um 90% sondern um 80 bis 85% zu vermindern entsprechenden Spielraum gäbe, waren neuerliche Äußerung von politischer Ebene wiederum Kursbeeinflussend.

Insbesondere Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz am vergangenen Mittwoch hinsichtlich einer „Verschiebung des EU ETS“ haben an den letzten beiden Tagen der vergangenen Woche einen weiteren signifikanten Kurseinbruch ausgelöst und dazu geführt, dass die Preise für EU Emissionsrechte bis fast zur 70-Euro-Marke eingebrochen sind.

Was Friedrich Merz mit seiner Äußerung meinte, kann nur vermutet werden. Entweder ging es um eine weitere Verschiebung des EU ETS 2 oder beim EU ETS 1 um die Senkung des linearen Reduktionsfaktors der Zertifikatemengen von 4,3% auf 4,4%; vielleicht war auch die Verlängerung der Zuteilung kostenloser Zertifikate an die Industrie gemeint.

Der Druck von Teilen der Chemiebranche auf Brüssel wurde insbesondere dadurch genährt, dass sie erkannt hat, dass man mit ausreichender Lobbyarbeit viel erreichen kann, wie es die Autolobby beim Verbrenner-Verbot vorgemacht hat.

Beim Industriegipfel in Antwerpen hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jedoch nicht die gewünschten Zugeständnisse angekündigt, vielmehr sollen mehr Mittel aus den Einnahmen des EU ETS in die betroffenen Branchen fließen, schließlich hätten die EU-Mitgliedsstaaten von den bislang ca. 260 Milliarden Euro lediglich fünf Prozent in die Treibhausgasminderung der Industrie investiert.

Solange hier keine finalen Beschlüsse getroffen sind, wird die Volatilität des EU ETS hoch bleiben und auf entsprechende Äußerungen zu den Reformplänen reagieren.

Dies gibt Compliance-Käufern derzeit günstige Kaufgelegenheiten und auch Spekulanten Chancen auf profitable Trades.

In der vergangenen Handelswoche hat der Kurs der EUAs weitere 10,2% verloren; seit dem 27-Monats-Hoch am 15.01.2026 von 93,80 Euro im Benchmark-Kontrakt fiel der Kurs sogar um 24,8% auf den tiefsten Stand seit Anfang Mai vergangenen Jahres.

Auch der Terminkontrakt der EUA2 bewegte sich um 11,2% nach unten, die britischen Emissionsrechte UKA verbilligten sich im Sog der EUAs gar um knapp 20%.

In dieser Handelswoche wird es interessant sein, ob die EUAs die Marke von 70 Euro halten können, die nächsten relevanten technischen Support-Level sind sonst etwas oberhalb der 60-Euro-Marke anzutreffen. Technische Widerstände nach oben zeigen sich speziell bei der 200-Tage-Linie, die aktuell bei 79,06 Euro liegt.

An der EEX werden in dieser Woche insgesamt 10.755.000 EUAs an allen fünf Handelstagen versteigert.

             Instrument 06.02.2613.02.26Veränderung
EUA (Dezember-2026-Future)78,73 EUR70,68 EUR-8,05 EUR
EUA2 (Dezember-2028-Future)74,09 EUR65,82 EUR-8,27 EUR
nEZ25 (nationale Emissionszertifikate (D))55,00 EUR55,00 EUR+0,00 EUR
UKA (Dezember-2026-Future (UK))56,69 GBP45,50 GBP-11,19 GBP
UK Natural Gas (Dezember-2026-Future)80,29 GBP78,35 GBP-1,94 GBP
ICE Brent Crude Oil (Dezember-2026-Future)65,26 USD64,69 USD-0,57 USD
EURO (Forex)1,1816 USD1,1869 USD+0,0053 USD

(EUA, EUA2, UKA, Natural Gas, Crude Oil und Euro zeigen Börsenschlusskurse des jeweiligen Benchmark-Kontrakts. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information. Sollten Sie den Newsletter nicht mehr beziehen wollen, bitten wir um eine kurze Nachricht an den Absender.)

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