Emissionshandel / CO2 – Marktbericht vom 17.04.2023

Sehr geehrte Damen und Herren,

Deutschland hat in der vergangenen Woche seine letzten drei Atomkraftwerke abgeschaltet. Die Abkehr von der Atomenergie wurde nach der atomaren Katastrophe 2011 in Fukushima eingeleitet von der ehemaligen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.

Umweltschutzorganisationen und die an der Bundesregierung beteiligten Grünen feiern den vollendeten Ausstieg Deutschlands aus der Atomkraft, jedoch gibt es auch kritische Stimmen.

Am vergangenen Freitag hat „RePlanet DACH“ einen offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz geschrieben, der von 25 internationalen Wissenschaftlern, unter anderem Klimaforscher, Physiker, Ökonomen sowie zwei Physik-Nobelpreisträgern, unterzeichnet wurde.

Hierin fordern Sie die Bundesregierung auf, die Atomkraftwerke im Sinne des globalen Klimaschutzes weiter zu betreiben. „Wir begrüßen die Anstrengungen der Bundesregierung, die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland, einem Land mit besonderer wirtschaftlicher und politischer Bedeutung in Europa, entsprechend den abgeschlossenen, internationalen Verträgen zu verringern. Jedoch wurden im Jahr 2022 die CO2-Emissionsziele, durch die, von Einsparungen beim Erdgasverbrauch bedingte, verstärkte Nutzung der Kohlekraft, um 40 Millionen Tonnen überschritten, Schätzungen für das Jahr 2023 gehen von 38 Millionen Tonnen aus. Die Kernkraftwerke Emsland, Isar II und Neckarwestheim II lieferten im Jahr 2022 insgesamt 32,7 Milliarden Kilowattstunden an emissionsarmem Strom. Deutsche Privathaushalte verbrauchten zuletzt im Durchschnitt 3190 kWh pro Jahr an elektrischer Energie. Somit können diese drei Kraftwerke mehr als 10 Millionen oder ein Viertel der deutschen Haushalte mit Strom versorgen. Durch die somit geringere Menge an benötigtem Strom aus Kohlekraftwerken könnten bis zu 30 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.“

Die Nachfrage nach CO2-Emissionsrechten sollte hierdurch allein durch die Betreiber der Kohlekraftwerke entsprechend groß sein und zu einer zusätzlichen Verteuerung des deutschen Stroms führen, auch wenn hier sicherlich bereits ein Großteil eingepreist sein wird.

In der zweiten Osterwoche war die Nachfrage jedoch am Markt für EU-Emissionsrechte geringer und die EUA haben im Vergleich zur Vorwoche 2,9% nachgegeben. Nachdem der Dienstag noch bullishe Tendenzen aufwies, war der Rest der verkürzten Handelswoche bearish geprägt.

In dieser Woche werden an vier Handelstagen insgesamt 9.166.500 EUA an der Leipziger EEX zur Versteigerung angeboten. Die Nachfrage nach den Osterferien, kurz vor Ende der Abgabefrist, wird zeigen, ob noch viele Anlagenbetreiber „last minute“ EUAs beschaffen müssen.

  (Durchschnittliche Börsenkurse / OTC)   
Instrument06.04.2314.04.23Veränderung
EUA (Spotmarkt)95,14 EUR92,34 EUR-2,80 EUR
EUA (Dezember-2023-Future)96,66 EUR93,84 EUR-2,82 EUR
VER (Natural Carbon Offsets)3,27 USD2,76 USD-0,51 USD
VER (CORSIA eligible carbon credits)2,18 USD1,77 USD-0,41 USD
nEZ (nationale Emissionszertifikate (D))30,00 EUR30,00 EUR+0,00 EUR
ICE Brent Crude Oil (Benchmark Future)84,83 USD86,46 USD+1,63 USD
EURO (Currency, Forex)1,0917 USD1,0994 USD+0,0077 USD

(Die durchschnittlichen Börsenkurse und OTC-Preise zeigen das jeweilige Mittel von Angebot und Nachfrage verschiedener Handelsplätze für CO2-Emissionsrechte. Bid und Ask weichen üblicherweise mehrere Cent vom Mittelwert ab. Rohöl und Euro zeigen Börsenschlusskurse. Bei den VER-Kursen handelt es sich um Durchschnittskurse (carboncredits.com), welche im Rahmen von CORSIA und der freiwilligen Kompensation Verwendung finden können. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information. Sollten Sie den Newsletter nicht mehr beziehen wollen, bitten wir um eine kurze Nachricht an den Absender.)

Bei Rückfragen steht Ihnen unser Händlerteam jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre

ADVANTAG Services GmbH