Emissionshandel / CO2 – Marktbericht vom 02.03.2026

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Kinder und jungen Erwachsenen, die mit der Bewegung Fridays for Future viel Aufmerksamkeit erlangt haben, protestieren gegen eine Klimapolitik, die ihnen nicht ambitioniert genug erscheint, um ihre Zukunft und die der folgenden Generationen lebenswert zu gestalten. Inzwischen wurde diese Befürchtung durch die Realität sich dramatisch häufender Umweltkatastrophen überholt; es ist eindeutig, dass der voranschreitende Klimawandel bereits heute unseren Wohlstand bedroht. Bei aller Unsicherheit über ihr genaues Ausmaß ist unzweifelhaft, dass die Kosten von Klimaschäden die Kosten der Vermeidung des Klimawandels deutlich übersteigen werden.

Vor diesem Hintergrund könnte man eine klare, stringente Politik erwarten, die durch eindeutige Botschaften und Entscheidungen den klimaökonomischen Rahmen setzt. Doch der extreme US-amerikanische Kurswechsel könnte sich auch vermehrt in der europäischen Klimadiplomatie abbilden. Als Höhepunkt dieser Politik hat die US-Regierung unter Präsident Donald Trump am 12. Februar die sogenannte Gefährdungsfeststellung von 2009 aufgehoben, die Treibhausgase wie CO2 als gesundheitsgefährdend einstufte und die Grundlage für viele Umweltgesetze bildete. Trump und die US-Umweltbehörde argumentierten, diese Regelungen schadeten der Wirtschaft, weshalb sie nicht mehr angewendet werden sollen. Viele Umweltverbände und einzelne Bundesstaaten haben bereits angekündigt, dagegen juristisch vorzugehen.

Die EU-Mitgliedstaaten Schweden, Dänemark, Finnland und Luxemburg machten ebenfalls deutlich, dass sie diese Vogel-Strauß-Strategie ablehnen, und warnten davor, den neuen EU-Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS2) weiter zu verschieben oder durch strukturelle Eingriffe zu entkernen. Parallel arbeitet der Europäische Rat an einer technischen Nachschärfung der Regelung zur Marktstabilitätsreserve (MSR), damit bei Preisspitzen schneller zusätzliche Zertifikate in den Markt gelangen. Es ist zu hoffen, dass es bei dieser einen Feinjustierung bleibt, damit das Klimasignal nicht weiter geschwächt wird und Investitionen wegen unsicherer politischer Rahmenbedingungen ausbleiben oder gar klimaschädlich umgesetzt werden.

EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra hat in der vergangenen Woche in einem Interview der These widersprochen, wonach Klimapolitik der Haupttreiber hoher Energiepreise sei. Seine Agenda setzte vielmehr auf Nachfrageschaffung für saubere Produkte, beschleunigten Netzausbau und massive Kapazitätsausweitungen bei Batterien, Solar und Wind — das soll langfristig Preise senken, Unabhängigkeit stärken und Arbeitsplätze sichern. Kurzfristig nennt er Bürokratieabbau und nationale Steuerhebel als Entlastungsoptionen für die Wirtschaft. Für Hoekstra gilt: Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und strategische Autonomie müssen zusammen gedacht werden, damit energieintensive Industrie in Europa bleibt. Dabei darf der soziale Ausgleich nicht auf der Strecke bleiben.

Am vergangenen Samstag hat das US-Militär, nicht ganz unerwartet, umfangreiche Angriffe gegen das Regime in Teheran begonnen. Zeitgleich startete auch Israel einen Präventivschlag gegen den Iran. Der Preis für die Ölsorte Brent erreichte zum Settlement ein Siebenmonatshoch; im heutigen frühen Handel haben sie wie erwartet zunächst weiter zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) zur Lieferung im April verteuerte sich in den ersten Handelsminuten um bis zu fast 10 Dollar oder 14 Prozent und kostete mit 82,37 Dollar so viel wie seit Januar 2025 nicht mehr. Nach den zunächst zweistelligen Zuwächsen zum Handelsbeginn gaben die Ölpreise bis 0.30 Uhr wieder einen Teil ihrer Gewinne ab, lagen aber immer noch mit rund neun Prozent im Plus.

Die EUA-Preise haben nach dem vorherigen Aufschwung eine schwächere Handelswoche hinter sich, in der sie sämtliche Zugewinne aus der Vorwoche wieder einbüßten. Die stärkste Zäsur erlebte der Markt am Donnerstag, als der Preis innerhalb von nur einer Stunde um mehr als 3 Euro nachgab. Das rief etliche Compliance-Käufer auf den Plan, was unter dem Strich zu einer leichten Erholung bis zum Settlement am Freitag führte.

            Instrument20.02.2627.02.26Veränderung
EUA (Dezember-2026-Future)73,78 EUR70,29 EUR-3,49 EUR
EUA2 (Dezember-2028-Future)66,64 EUR67,10 EUR+0,46 EUR
nEZ25 (nationale Emissionszertifikate (D))55,00 EUR55,00 EUR+0,00 EUR
UKA (Dezember-2026-Future (UK))47,62 GBP46,14 GBP-1,48 GBP
UK Natural Gas (Dezember-2026-Future)80,98 GBP82,48 GBP+1,50 GBP
ICE Brent Crude Oil (Dezember-2026-Future)67,43 USD73,15 USD+5,72 USD
EURO (Forex)1,1728 USD1,1806 USD+0,0078 USD

(EUA, EUA2, UKA, Natural Gas, Crude Oil und Euro zeigen Börsenschlusskurse des jeweiligen Benchmark-Kontrakts. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information. Sollten Sie den Newsletter nicht mehr beziehen wollen, bitten wir um eine kurze Nachricht an den Absender.)

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