Sehr geehrte Damen und Herren,
circa 40 Industriekonzerne haben kurz vor Bekanntgabe der Reformpläne des EU Emissionshandelssystems EU ETS1 die Europäische Union zum Handeln aufgefordert und verlangen von EU-Ratspräsident António Costa und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen „ein entschlossenes Eingreifen, um die Kosten-Eskalation im Emissionshandelssystem zu stoppen“.
Die Unterzeichner des Schreibens waren unter anderem Stahlkonzerne wie Thyssenkrupp und ArcelorMittal oder Chemieunternehmen wie BASF und Evonik. Sie warnen bei steigenden Kosten im EU ETS1 vor dem sogenannten Carbon Leakage, also dem Abwandern der Industrie in Länder mit geringerer oder gar keiner Bepreisung von Treibhausgasemissionen bei der sowieso schon geschwächten europäischen Wirtschaft.
Andere Unternehmen, wie beispielsweise Saarstahl, die bereits viel in die Dekarbonisierung investiert haben, warnen vor der Abschwächung des EU Emissionshandels, ebenso die IG Metall sowie die Energiewirtschaft. Der BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V., dem ca. 2.000 Unternehmen angehören, fordert indes das EU ETS1 weiterzuentwickeln und dessen Klimaschutzwirkung sicherzustellen. Der EU ETS1 dürfe im Zuge der anstehenden Reform nicht abgeschwächt werden. Eine zu starke Absenkung des bestehenden linearen Reduktionsfaktors gefährdet Planungssicherheit, Investitionsanreize und die ökologische Integrität des Systems.
Zudem ist die Position des BDEW, dass sowohl der CO2-Grenzausgleich CBAM, die kostenlosen Zuteilungen als auch die Strompreiskompensation derart weiterentwickelt werden müssten, dass Carbon Leakage verhindert, industrielle Elektrifizierung ermöglicht und gleichzeitig das CO₂-Preissignal erhalten bleibe.
Die Europäische Kommission steht somit bis Mitte Juli vor der schwierigen Aufgabe, die komplexe Sachlage mit unterschiedlichen Sichtweisen in einen Reformvorschlag umzusetzen, welcher weiterhin den Klimaschutz durch Dekarbonisierung fördert und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie nicht unnötig gefährdet.
Am Samstag gab der Iran überraschend bekannt, dass die Meeresenge von Hormus wieder gesperrt sei. Daraufhin drohte US Präsident Donald Trump eine Maut an, sollte es kein finales Abkommen geben, um sich die Rolle der USA als „Schutzengel“ der Region vergüten zu lassen.
Somit wird das Thema Nahost in dieser Woche weiterhin wichtigster Preistreiber im Energiesektor bleiben, wenn auch die EUAs gleichzeitig den 15. Juli im Blick haben, an welchem die Reformvorschläge des EU ETS1 bekanntgegeben werden sollen.
Nach der so nicht erwarteten Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen dem Iran und der USA in Schloss Versailles durch Donald Trump haben die Preise für fossile Energie in der vergangenen Woche deutlich nachgegeben und die EUAs haben auf Wochenschlusskursbasis 4,4% zugelegt und die Woche oberhalb der Marke von 80 Euro beendet.
In dieser Woche werden an der Leipziger Energiebörse EEX an allen fünf Handelstagen insgesamt 11.975.500 EUAs versteigert.
| Instrument | 12.06.26 | 19.06.26 | Veränderung |
| EUA (Dezember-2026-Future) | 77,17 EUR | 80,58 EUR | +3,41 EUR |
| EUA2 (Dezember-2028-Future) | 70,50 EUR | 71,00 EUR | +0,50 EUR |
| nEZ25 (nationale Emissionszertifikate (D)) | 55,00 EUR | 55,00 EUR | +0,00 EUR |
| UKA (Dezember-2026-Future (UK)) | 55,88 GBP | 60,46 GBP | +4,58 GBP |
| UK Natural Gas (Dezember-2026-Future) | 121,21 GBP | 110,32 GBP | -10,89 GBP |
| ICE Brent Crude Oil (Dezember-2026-Future) | 82,58 USD | 77,89 USD | -4,69 USD |
| EURO (Forex) | 1,1568 USD | 1,1470 USD | -0,0098 USD |
(EUA, EUA2, UKA, Natural Gas, Crude Oil und Euro zeigen Börsenschlusskurse des jeweiligen Benchmark-Kontrakts. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information. Sollten Sie den Newsletter nicht mehr beziehen wollen, bitten wir um eine kurze Nachricht an den Absender.)
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