Emissionshandel / CO2 – Marktbericht vom 20.07.2026

Sehr geehrte Damen und Herren,

am vergangenen Freitag wurden die Reformvorschläge der Europäischen Kommission zum Europäischen Emissionshandelssystem EU ETS 1 bekanntgegeben.

Sinn und Zweck der Reform ist es, den Emissionshandel als zentrales Klimaschutzinstrument der Europäischen Union zu stärken und ihn auf das europäische Klimaziel 2040 sowie die Klimaneutralität Europas bis spätestens 2050 ausrichten. Zugleich sollen zusätzliche Flexibilitäten für die industrielle Transformation in Europa geschaffen werden.

So schlägt die EU Kommission konkret vor, ab 2031 mehr Zertifikate in den Versteigerungen bereitzustellen. Bislang war vorgesehen, die Menge der Zertifikate bis 2027 jährlich um 4,3 Prozent und ab 2028 um 4,4 Prozent linear zu reduzieren. Künftig soll die Verringerung weniger stark ausfallen. Gemäß den Reformvorschlägen soll sie von 2031 bis 2035 bei 3,7 Prozent und von 2036 bis 2040 bei 1,7 Prozent liegen.

Die kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten an besonders stark emittierende Industriesektoren soll zeitlich bis 2038 verlängert werden und die Zuführung in die Marktstabilitätsreserve durch Kürzung der Auktionsvolumina wurde von 24% auf 12% reduziert.

Damit sieht sich die Kommission weiterhin auf Kurs, das EU-Klimaziel zu erreichen: Bis 2040 sollen die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 90 Prozent sinken und bis 2050 ist weiterhin die kalkulatorische Klimaneutralität der EU angestrebt.

Zudem sollen in Zukunft auch Müllverbrennungsanlagen verpflichtend am EU ETS1 teilnehmen.

Die Reaktionen der Marktteilnehmer am vergangenen Freitag zogen die EUAs im Benchmark-Kontrakt zuerst in den Keller mit einem Tages- und Wochentief von 76,92 Euro, jedoch erholte sich der Kurs bis zum Ende der Handelswoche auf 79,11 Euro. Das Tageshoch am Freitag belief sich auf 80,98 und das Wochenhoch markierte am Mittwoch den Wert von 82,18 Euro.

Aufgrund der Beendigung der Auktionen für den Innovationsfonds der EU hat die EEX Anfang vergangener Woche den neuen Auktionskalender für das EU ETS1 veröffentlicht. So werden regulär bis Ende August nun wöchentlich 9.119.500 EUAs versteigert; in den Wochen ohne polnische Auktionen 1.380.000 Emissionsrechte weniger. Ab September erhöht sich das wöchentliche Volumen auf 16.487.000 EUAs, in den Wochen mit jeweils zweiwöchentlich nicht stattfindenden polnischen Auktionen werden 13.693.000 EUAs offeriert.  

Auch die dritte Auktion im nationalen Emissionshandel Deutschlands mit dem Preiskorridor von 55€ bis 65€ wurde erwartungsgemäß zum Höchstkurs von 65 Euro abgeschlossen. Da wiederum die 65€-Regelung in Kraft getreten ist, wurden an Stelle der 10,67 Mio. nEZ26 erneut 21,3 Millionen Zertifikate versteigert, womit ein Drittel der Gesamtauktionsmenge bereits versteigert wurde.

Insgesamt haben 106 Bieter teilgenommen, von denen 105 Zertifikate zum Preis von 65 Euro zugeteilt bekamen. Die Gesamtgebotsmenge betrug am vergangenen Mittwoch 411 Millionen Zertifikate (Vorwoche 358 Mio.) und der prozentuale Zuschlag belief sich auf 5,2% (6,0% in der Vorwoche und 7,3% in der ersten Auktion).

Davon ausgehend, dass abgabepflichtige Unternehmen bislang 18% in den ersten drei Auktionen ersteigern konnten, benötigen sie nun noch etwas mehr als 80%. Sollte also die Zuteilung weiterhin bei 5% bleiben und voraussichtlich nur noch acht Auktionen folgen, würden noch ca. 40% zugeteilt, womit man ungefähr bei 58% des Bedarfs liegt, insofern man immer mit dem gesamten Betrag mitbietet.

Auch wenn wir für unsere Kunden nach der Auktionsphase versuchen werden, günstigere Preise nach der Auktionsphase am Sekundärmarkt zu bekommen, sollte man sich mit dem Preis von 68€ je nEZ26 für die restlichen Zertifikate anfreunden, es sei denn, man bietet mit einem deutlich höheren Volumen, als der eigentliche Bedarf ist.

Es ist ein Rechenexempel. Beträgt der Bedarf 100.000 nEZ26 und man kann an den regulären Auktionen lediglich circa 58% der Zertifikate zum Preis von 65€ ersteigern, müsste man 42.000 Stücke zum Preis von 68€ aus kaufmännischer Vorsicht berechnen. Das würde einen Mehraufwand in Höhe von 126.000 Euro bedeuten.

Hat man die Liquidität oder kann sich diese bei der Hausbank oder den Stakeholdern beschaffen, könnte man an zwei aufeinanderfolgenden Auktionen jeweils für zusätzliche 420.000 nEZ26 mitbieten und bekäme voraussichtlich jeweils um die 21.000 Stücke zugeteilt.

Die überschüssigen Beträge würden am Tag nach der Auktion wieder als Liquidität zur Verfügung stehen.

Da die 65€-Regel nur noch voraussichtlich bis zur 33. Kalenderwoche Anwendung finden wird, ist danach auch mit Auktionsergebnissen unterhalb der 5%igen Zuteilung zu rechnen, von daher sollte man mit einer entsprechenden Entscheidung nicht allzu lange warten.

Gerne stehen Ihnen unsere Spezialisten zu einer ausführlichen Beratung und Kalkulation zur Verfügung.

             Instrument10.07.2617.07.26Veränderung
EUA (Dezember-2026-Future)79,20 EUR79,11 EUR-0,09 EUR
EUA2 (Dezember-2027-Future)66,55 EUR66,55 EUR+0,00 EUR
nEZ26 (nationale Emissionszertifikate (D))65,00 EUR65,00 EUR+0,00 EUR
UKA (Dezember-2026-Future (UK))56,40 GBP58,70 GBP+2,30 GBP
UK Natural Gas (Dezember-2026-Future)122,56 GBP143,54 GBP+20,98 GBP
ICE Brent Crude Oil (Dezember-2026-Future)75,50 USD83,17 USD+7,67 USD
EURO (Forex)1,1414 USD1,1439 USD+0,0025 USD

(EUA, EUA2, UKA, Natural Gas, Crude Oil und Euro zeigen Börsenschlusskurse des jeweiligen Benchmark-Kontrakts. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information. Sollten Sie den Newsletter nicht mehr beziehen wollen, bitten wir um eine kurze Nachricht an den Absender.)

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