Emissionshandel / CO2 – Marktbericht vom 07.04.2026

Sehr geehrte Damen und Herren,

am Mittwoch hat die EU-Kommission vorgeschlagen, das europäische Emissionshandelssystem EU ETS zu überarbeiten, um steigende CO2– und Energiepreise zu bremsen. Dabei wird die seit 2019 bestehende Marktstabilitätsreserve (MSR) für den europäischen Emissionsrechtehandel angepasst.

Die Kommission beabsichtigt, dadurch künftig zu verhindern, dass überschüssige Emissionsrechte automatisch gelöscht werden, um Preisschwankungen besser auszugleichen. Bislang wurden Zertifikate, die einen Wert von 400 Millionen übersteigen, vom Markt durch Reduktion der Auktionsvolumina entfernt. Zukünftig sollen diese Emissionsrechte stattdessen als Reserve erhalten bleiben, um die Stabilität des Marktes zu unterstützen und gegebenenfalls die Auktionsmengen zu erhöhen und damit ein bearishes Preissignal zu setzen.

Laut EU-Kommission sanken die Treibhausgasemissionen seit 1990 um 39 Prozent, während die Wirtschaft nichtsdestotrotz um 71 Prozent wuchs. Wegen höherer Energiepreise durch den Iran-Krieg arbeiten Kommission und Mitgliedstaaten an einer Lockerung des Emissionshandels, um Kosten für die Industrie zu senken. Die geplanten Änderungen der MSR sollen die EU flexibler auf Marktveränderungen reagieren lassen; nach Abstimmung mit den Mitgliedsstaaten werden nun im Juli konkrete Reformvorschläge vorliegen.

Ob bis zu diesem Zeitpunkt der Nahostkonflikt entschärft ist und wie stark die Energiepreise weiterhin davon betroffen bleiben, ist indes ungewiss.

Am Freitag schloss der Benchmark-Kontrakt Dezember 2026 von Rohöl der Sorte Brent mit einem Minus auf Wochenbasis von 5,41 bei 79,02 US-Dollar, der Spot-Markt war jedoch wieder in der Nähe des Hochs vom 30.03., welches bei 112,85 US-Dollar lag und beendete die vergangene Woche mit 108,84 US-Dollar.

Da die Osterferien fast schon traditionsgemäß zu höheren Preisen an den Zapfsäulen führen, stiegen die Durchschnittspreise für einen Liter Diesel an den Osterfeiertagen nahezu auf 2,50 Euro.

Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat daher das Thema Tempolimit auf deutschen Autobahnen ins Spiel gebracht. Da der öffentliche Diskurs in den letzten Jahren immer schwieriger wird, hat dies natürlich zu Kritiken geführt, man könne ja selbst entscheiden, wie schnell man auf der Autobahn unterwegs seien wolle, auch mit Tempo 100, um Treibstoff zu sparen.

Aber das geht letztendlich am Thema vorbei. Es geht nicht darum, Fahrern von fossil betriebenen Fahrzeugen die Freiheit zu nehmen, mit Tempo 100 zu fahren, sondern den gesamten Verbrauch an Diesel und Benzin zu reduzieren, um sowohl die Versorgungssicherheit zu gewährleisten als auch dadurch geringere Preise zu erzeugen. Denn es gibt immer noch ausreichend viele Fahrer von fossil betriebenen Fahrzeugen, die mit deutlich höherer Geschwindigkeit unterwegs sind.

Länder wie China haben bereits einen Exportstopp für Diesel und Benzin beschlossen, auch Russland will kein Öl mehr exportieren. Zusammen mit der Blockade der Straße von Hormus ist eine Verschärfung der Versorgungssituation auch für Mitteleuropa immer wahrscheinlicher und es sollten daher alle Maßnahmen ergriffen werden, um eine Mangelsituation zu vermeiden, da dies die Wirtschaft und die Privathaushalte in einem hohen Maß belasten würde.

Die verbleibende Führung im Iran hat ihre Macht hinsichtlich der Blockade der Straße von Hormus erkannt, weswegen die EU ihre Bemühungen der Unabhängigkeit von fossilen Brenn- und Treibstoffen noch deutlich erhöhen muss, wozu die Einnahmen aus dem Emissionshandel dienen könnten.

Die Preise im EU ETS haben sich in der vergangenen Woche gegenüber der Vorwoche nahezu unverändert gezeigt. Die EUAs schlossen mit einem kleinen Plus von zwei Cent bei 71,69 Euro im Benchmark-Kontrakt.

Aufgrund des turnusmäßigen Ausbleibens der polnischen Auktion und wegen des Ostermontags finden in dieser Woche lediglich drei Auktionen an der EEX statt, an denen insgesamt 6.518.000 EUAs zur Versteigerung gelangen.

             Instrument27.03.2602.04.26Veränderung
EUA (Dezember-2026-Future)71,67 EUR71,69 EUR+0,02 EUR
EUA2 (Dezember-2028-Future)66,66 EUR66,84 EUR+0,18 EUR
nEZ25 (nationale Emissionszertifikate (D))55,00 EUR55,00 EUR+0,00 EUR
UKA (Dezember-2026-Future (UK))37,05 GBP41,50 GBP+4,45 GBP
UK Natural Gas (Dezember-2026-Future)142,61 GBP129,71 GBP-12,90 GBP
ICE Brent Crude Oil (Dezember-2026-Future)84,43 USD79,02 USD-5,41 USD
EURO (Forex)1,1508 USD1,1519 USD-0,0011 USD

(EUA, EUA2, UKA, Natural Gas, Crude Oil und Euro zeigen Börsenschlusskurse des jeweiligen Benchmark-Kontrakts. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information. Sollten Sie den Newsletter nicht mehr beziehen wollen, bitten wir um eine kurze Nachricht an den Absender.)

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