trotz des Ukraine-Kriegs und der damit einhergehenden stärkeren Nutzung von Kohle in Asien und Europa zur Energieerzeugung steigt der globale Ausstoß von Kohlendioxid 2022 gemäß Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) lediglich um weniger als 1%.
Zu verdanken ist dies gemäß dem Leiter der IEA, Fatih Birol, dem verstärkten weltweiten Ausbau von erneuerbaren Energien, allen voran Photovoltaik und Windkraft, welche um 700 Terrawattstunden zunahm. Weiterhin habe die verstärkte Nutzung der Elektromobilität einen signifikanten Anteil zur Reduktion im Sektor Verkehr beigetragen.
Am vergangenen Mittwoch hat der zuständige Ausschuss für Energie und Klimaschutz des Bundestags beschlossen, dass die Müllverbrennung entgegen den ursprünglichen Plänen der Bundesregierung um ein Jahr verschoben wird und somit nicht 2023, sondern erst 2024 in den nationalen Emissionshandel gemäß Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) einbezogen werden soll.
Die Preise für CO2-Zertifikate im verpflichtenden EU-Emissionshandel (EU ETS) bewegten sich in der vergangenen Woche in einer Range zwischen 66,26 und 69,69 Euro eher seitwärts.
An der EEX werden in dieser Woche an allen fünf Handelstagen insgesamt 12.494.500 EUAs versteigert sowie am Dienstag und am Donnerstag jede gewünschte Menge an nationalen deutschen Emissionszertifikaten für das Jahr 2022.
(Durchschnittliche Börsenkurse / OTC)
Instrument
14.10.22
21.10.22
Veränderung
EUA (Spotmarkt)
67,95 EUR
69,03 EUR
+1,08 EUR
EUA (Dezember-2022-Future)
68,03 EUR
69,10 EUR
+1,07 EUR
VER (Carbon Offsets)
7,89 USD
6,38 USD
-1,51 USD
VER (CORSIA eligible carbon credits)
3,76 USD
3,20 USD
-0,56 USD
nEZ (nationale Emissionszertifikate (D))
30,00 EUR
30,00 EUR
+0,00 EUR
ICE Brent Crude Oil (Benchmark Future)
91,80 USD
93,52 USD
+1,72 USD
EURO (Currency, Forex)
0,9721 USD
0,9862 USD
+0,0141 USD
(Die durchschnittlichen Börsenkurse und OTC-Preise zeigen das jeweilige Mittel von Angebot und Nachfrage verschiedener Handelsplätze für CO2-Emissionsrechte. Bid und Ask weichen üblicherweise mehrere Cent vom Mittelwert ab. Rohöl und Euro zeigen Börsenschlusskurse. Bei den VER-Kursen handelt es sich um Durchschnittskurse (carboncredits.com), welche im Rahmen von CORSIA und der freiwilligen Kompensation Verwendung finden können. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information. Sollten Sie den Newsletter nicht mehr beziehen wollen, bitten wir um eine kurze Nachricht an den Absender.)
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Greta Thunberg, mit gerade einmal 19 Jahren bereits die Ikone der weltweiten Klimabewegung, hat in der vergangenen Woche dem deutschen Fernsehen ein bemerkenswertes Interview gegeben und für ihre differenzierten und überlegten Äußerungen breite Zustimmung erhalten. Im Wesentlichen mahnte die junge Aktivistin nicht weniger als einen Kulturwandel an: „Je länger wir uns vormachen, dass wir die Klimanotlage innerhalb des bestehenden Systems lösen können, ohne sie wie eine wirkliche Krise zu behandeln, desto mehr Zeit werden wir verlieren“. Zum Vergleich nannte sie die Corona-Maßnahmen. Diese hätten eindrucksvoll bewiesen, dass die Menschheit sehr wohl in der Lage sei, angemessen auf eine weltweite Notlage zu reagieren und diese zu bewältigen. Im Großen und Ganzen haben die Menschen dafür sogar erhebliche persönliche Einschränkungen in ihrem Leben akzeptiert und zwar auch deshalb, weil die Medien vierundzwanzig Stunden am Tag und sieben Tage die Woche über die Gefahren und die beschlossenen Gegenmaßnahmen berichtet haben. Dies hätte großen Einfluss sowohl auf die politischen Entscheidungen als auch auf die Akzeptanz der Bevölkerung gehabt. Doch dies sei beim Klimawandel bei weitem nicht so. Das Wichtigste sei daher, so Thunberg, zu „erkennen, dass wir uns in einer Notlage befinden, sonst bringt alles andere nichts!“ Natürlich würde sie ein Leben lang Klimaaktivistin bleiben, doch eigentlich bräuchten wir Milliarden von Klimaaktivisten, welche den Klimawandel als echte Notlage begreifen und einer Notlage entsprechend handeln. Sie zitierte in diesem Zusammenhang den UN Emissions-Report, wonach wir „2030 doppelt so viel fossile Energie verbrauchen werden, wie mit dem 1,5 Grad Ziel vereinbar wäre und wir sind heute bereits bei 1,2 Grad“.
John Ploegg, ein namhafter Analyst, wies kürzlich auf einen anderen, wichtigen Aspekt hin: Er mahnte, dass die Technologien zur Produktion sauberer Energie ebenfalls viele Rohstoffe erfordern, darunter seltene Erden. Die mit den erneuerbaren Energien verbundenen elektronischen Steuerelemente, Speichersysteme, Elektromotoren sowie Transformationstechnik sind auf Metalle wie Kupfer, Lithium, Nickel und Kobalt angewiesen und überdies auf die selten vorkommenden Elemente Gallium, Germanium, Indium, Tellur und zahlreiche Platingruppenelemente. Viele dieser Metalle jedoch findet man hauptsächlich in Ländern mit höheren geopolitischen und sozialen Risiken. Es sei also notwendig, sich hierauf frühzeitig einzustellen um nicht erneut in eine Abhängigkeitsfalle zu geraten.
Der CO2-Markt hat sich auch in der vergangenen Woche wieder seitwärts bewegt, wobei der Dezember-Future am Donnerstag zwar bis 69,50 Euro anzog, am Freitag jedoch in einer engen Spanne wieder Abschläge hinnehmen musste. Der Markt beklagt das Fehlen echter Signale von Politikern bezüglich eventuell geplanter Eingriffe in den ETS. Analysten haben derweil geschätzt, dass es vier Jahre dauern könnte, bis sich die EUA-Preise wieder auf das jüngste Niveau erholen würden, falls es zu den REPowerEU-Verkäufen kommen sollte.
Ähnlich orientierungslos zeigte sich auch der Ölpreis, da der Markt zwischen Ankündigungen über eine Angebotsdrosselung einerseits und einer Ölpreisbremse andererseits die Qual der Wahl hatte. Die erheblichen Gewinne aus der Vorwoche wurden dabei zur Hälfte wieder abgegeben.
(Durchschnittliche Börsenkurse / OTC)
Instrument
07.10.22
14.10.22
Veränderung
EUA (Spotmarkt)
68,55 EUR
67,95 EUR
-0,60 EUR
EUA (Dezember-2022-Future)
68,66 EUR
68,03 EUR
-0,63 EUR
VER (Carbon Offsets)
8,61 USD
7,89 USD
-0,72 USD
VER (CORSIA eligible carbon credits)
3,76 USD
3,76 USD
+0,00 USD
nEZ (nationale Emissionszertifikate (D))
30,00 EUR
30,00 EUR
+0,00 EUR
ICE Brent Crude Oil (Benchmark Future)
97,92 USD
91,80 USD
-6,12 USD
EURO (Currency, Forex)
0,9742 USD
0,9721 USD
-0,0021 USD
(Die durchschnittlichen Börsenkurse und OTC-Preise zeigen das jeweilige Mittel von Angebot und Nachfrage verschiedener Handelsplätze für CO2-Emissionsrechte. Bid und Ask weichen üblicherweise mehrere Cent vom Mittelwert ab. Rohöl und Euro zeigen Börsenschlusskurse. Bei den VER-Kursen handelt es sich um Durchschnittskurse (carboncredits.com), welche im Rahmen von CORSIA und der freiwilligen Kompensation Verwendung finden können. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information. Sollten Sie den Newsletter nicht mehr beziehen wollen, bitten wir um eine kurze Nachricht an den Absender.)
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in den ersten drei Quartalen dieses Jahres sind die Emissionen des EU-Energiesektors im Vergleich zu 2021 um etwa 8% gestiegen sein, wie Daten eines Forschungsinstituts für Klimaanalysen zeigen. Mit dieser Entwicklung war leider zu rechnen, nicht zuletzt, weil die Kohleverstromung intensiviert werden musste. Russlands Überfall auf die Ukraine hat also paradoxer Weise dazu geführt, dass nicht die Stromerzeugung mithilfe von Erdgas als Brückentechnologie beim Ausstieg aus der Kohle helfen kann, sondern dass es jetzt – zumindest zeitweise – genau anders herum abläuft.
Doch das ändert natürlich nichts an dem übergeordneten Ziel der Dekarbonisierung der Wirtschaft, welche vor allem durch den Umstieg von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien erreicht werden soll. Natürlich ist ein kurzfristiges Plus bei der Kohle ein Rückschritt, da es nun mal die CO2-intensivste Energiequelle ist, dennoch muss der vollständige Verzicht auf fossile Energie so schnell wie irgend möglich erreicht werden.
Eine Nachricht vom Energiekonzern RWE stellt hierbei ein positives Signal dar. RWE will den Kohleausstieg um acht Jahre auf das Jahr 2030 vorziehen. Das sehen Eckpunkte einer Vereinbarung zwischen RWE, dem Bundeswirtschaftsministerium und dem NRW-Wirtschaftsministerium vor. Durch die Entscheidung blieben rund 280 Millionen Tonnen Kohle in der Erde. Dies entspreche einer Menge von ebenfalls rund 280 Millionen Tonnen CO2, die nicht mehr emittiert würden. RWE-Chef Markus Krebber erklärte, dass der Ausstieg sozialverträglich gestaltet werde, er solle nicht zulasten der Mitarbeiter gehen. RWE wolle zudem massiv in erneuerbare Energien investieren, um einen zusätzlichen Beitrag zum Ausstieg aus der Kohle zu leisten.
Das werden auch die EU Parlamentarier erfreut zur Kenntnis nehmen, die mit dem Programm „Fit for 55“ das Ziel verfolgen, die Netto-Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 55 % zu senken und die hierfür erforderlichen Rechtsvorschriften anzupassen. Hierzu zählt unter anderem eine Stärkung und Verschärfung des europäischen Emissionshandels (ETS) sowie ein neues, eigenständiges Emissionshandelssystem für Gebäude und den Straßenverkehr. Dies soll ein wesentlicher Schritt sein, um bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, was wiederum das verbindliche Ziel der EU im Rahmen des Europäischen Klimagesetzes ist.
Ein anderes, aktuell hitzig diskutiertes Programm unter dem Titel RePowerEU, zielt nun mit der Frage, ob dieses Programm zum Teil durch Eingriffe in den ETS finanziert werden soll oder ob durch eine zeitweise Schwemme von EUA die Stromkosten gesenkt werden können, leider in die genau entgegengesetzte Richtung. Noch sind die Entscheidungen hierzu nicht gefallen, doch hat alleine die Diskussion darüber bereits erheblichen Einfluss auf den CO2-Markt ausgeübt. So forderte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, am Mittwoch eine Aufstockung der Mittel für das REPowerEU-Programm, da der Block andernfalls Gefahr laufe, sich zu zersplittern, weil die Mitgliedstaaten unterschiedliche Unterstützungsniveaus für Bürger und Unternehmen einführen. Unmittelbar nach dieser Meldung stürzten EUA im Dezember-Future von ihrem Tageshoch bei 71,36 auf unter 67 Euro ab.
Der CO2-Markt schwankte unter der Woche offenbar zwischen einem an sich bullischen Sentiment, welches auch von den stark gestiegenen Ölpreisen beeinflusst wurde, auf der einen Seite und der Verunsicherung bezüglich möglicher Markteingriffe andererseits. Der Dezember-Benchmark-Kontrakt zeichnete zwischen rund 64,50 Euro im Tief und 71,36 Euro im Hoch und wiederholte damit beinahe identisch die Performance der Vorwoche.
(Durchschnittliche Börsenkurse / OTC)
Instrument
30.09.22
07.10.22
Veränderung
EUA (Spotmarkt)
66,58 EUR
68,55 EUR
+1,97 EUR
EUA (Dezember-2022-Future)
66,73 EUR
68,66 EUR
+1,93 EUR
VER (Carbon Offsets)
8,18 USD
8,61 USD
+0,43 USD
VER (CORSIA eligible carbon credits)
3,96 USD
3,76 USD
-0,20 USD
nEZ (nationale Emissionszertifikate (D))
30,00 EUR
30,00 EUR
+0,00 EUR
ICE Brent Crude Oil (Benchmark Future)
85,46 USD
97,92 USD
+12,46 USD
EURO (Currency, Forex)
0,9797 USD
0,9742 USD
-0,0055 USD
(Die durchschnittlichen Börsenkurse und OTC-Preise zeigen das jeweilige Mittel von Angebot und Nachfrage verschiedener Handelsplätze für CO2-Emissionsrechte. Bid und Ask weichen üblicherweise mehrere Cent vom Mittelwert ab. Rohöl und Euro zeigen Börsenschlusskurse. Bei den VER-Kursen handelt es sich um Durchschnittskurse (carboncredits.com), welche im Rahmen von CORSIA und der freiwilligen Kompensation Verwendung finden können. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information. Sollten Sie den Newsletter nicht mehr beziehen wollen, bitten wir um eine kurze Nachricht an den Absender.)
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in der vergangenen Woche hat die deutsche Bundesregierung einen sogenannten „Abwehrschirm“ mit einem Volumen in Höhe von 200 Milliarden Euro beschlossen, damit die Gas- und Strompreise für Unternehmen und Verbraucher bezahlbar bleiben. Die genaue Ausgestaltung soll in den kommenden Wochen erarbeitet werden.
Aktuell berät der deutsche Bundestag über ein zweites Gesetz zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG), in welchem die CO2-Emissionen der Sektoren Verkehr und Gebäude bepreist werden. Ein großer Kritikpunkt ist die unter bestimmten Voraussetzungen vorgesehene Einbeziehung von Biomassefeuerungsanlagen in den nationalen Emissionshandel gemäß BEHG, da dies die Preise weiterverteuern würden.
Ebenfalls gibt es weitere Kritik an der Einbeziehung der Müllverbrennungsanlagen ab dem kommenden Jahr, da dies die Preise insbesondere für Siedlungsabfälle entsprechend verteuern würde und diese Kosten auf Unternehmen und Verbraucher umgelegt werden würden. Zudem könnten die Abfälle dann in anderen Ländern entsorgt werden, welche nicht über eine Bepreisung der CO2-Emissionen aus Siedlungsabfällen verfügen.
Ab dem Jahr 2026 sollen die Sektoren Gebäude und Verkehr in ein zweites europäisches Emissionshandelssystem (EU ETS2) integriert werden, was den nationalen Emissionshandel in Deutschland obsolet macht.
Im europäischen Emissionshandel haben sich die Preise in der vergangenen Woche eher seitwärts bewegt in einer Range von EUR 64,10 bis 71,95 für den Dezember-Benchmark-Kontrakt der EUAs.
In dieser Handelswoche finden vier Auktionen mit insgesamt 9.393.000 EUAs an der EEX statt, bei denen Zertifikate aus europäischem und deutschem Kontingent versteigert werden.
Aufgrund des Abgabeendes der nationalen Emissionszertifikate (nEZ) für das Jahr 2021 am vergangenen Freitag finden seit vergangener Woche regelmäßig dienstags und donnerstags Auktionen für 2022er nEZ statt. Der letzte Termin für dieses Jahr ist am Donnerstag, dem 08.12.2022.
(Durchschnittliche Börsenkurse / OTC)
Instrument
23.09.22
30.09.22
Veränderung
EUA (Spotmarkt)
65,61 EUR
66,58 EUR
+0,97 EUR
EUA (Dezember-2022-Future)
65,77 EUR
66,73 EUR
+0,96 EUR
VER (Carbon Offsets)
9,40 USD
8,18 USD
-1,22 USD
VER (CORSIA eligible carbon credits)
4,03 USD
3,96 USD
-0,07 USD
nEZ (nationale Emissionszertifikate (D))
30,00 EUR
30,00 EUR
+0,00 EUR
ICE Brent Crude Oil (Benchmark Future)
86,75 USD
85,46 USD
-1,25 USD
EURO (Currency, Forex)
0,9690 USD
0,9797 USD
+0,0107 USD
(Die durchschnittlichen Börsenkurse und OTC-Preise zeigen das jeweilige Mittel von Angebot und Nachfrage verschiedener Handelsplätze für CO2-Emissionsrechte. Bid und Ask weichen üblicherweise mehrere Cent vom Mittelwert ab. Rohöl und Euro zeigen Börsenschlusskurse. Bei den VER-Kursen handelt es sich um Durchschnittskurse (carboncredits.com), welche im Rahmen von CORSIA und der freiwilligen Kompensation Verwendung finden können. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information. Sollten Sie den Newsletter nicht mehr beziehen wollen, bitten wir um eine kurze Nachricht an den Absender.)
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für den vergangenen Freitag hatte die „Fridays for Future“-Bewegung (FFF) zum mittlerweile 11. globalen Klimastreik seit ihrer Gründung im Jahr 2018 aufgerufen. Medienberichten zufolge sind in vielen Ländern hunderttausende Menschen dem Aufruf gefolgt – allein in Deutschland haben insgesamt rund 280.000 meist junge Menschen an dem Protest für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit teilgenommen. In Berlin sagte die FFF-Aktivistin Luisa Neubauer: „Wer denkt, dass es keinen Ausweg gibt, dem bleibt nur Verzweiflung. Wer weiß, dass es anders geht, der kann loslegen und handeln. Wir haben das Wissen, also legen wir los.“
Neben den bekannten Appellen zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels forderte FFF von der Bundesregierung die Aufstellung eines Sondervermögens für Klima und Sicherheit. Im Rahmen der Haushaltsverhandlungen sollten 100 Milliarden Euro bereitgestellt werden, um den radikalen Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern zu beschleunigen. Die aktuelle Energiekrise offenbare, wie verletzlich die Gesellschaft in Sachen Energieversorgung sei. Klima- und Energiekrise bedingten sich gegenseitig.
Dem kann man nur zustimmen. Spätestens mit dem Beginn des unglaublich dummen Krieges gegen die Ukraine wurde allen klar, wie gefährlich die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern ist. Noch klarer wurde dadurch, dass ein Zögern beim Ausstieg aus den Fossilen in jeder Hinsicht falsch wäre. Umso unbegreiflicher erscheinen da die Forderungen einiger Europapolitiker, in das Emissionshandelssystem (ETS) einzugreifen, um fossile Energie billiger zu machen.
Und es sind nicht nur die Unterstützer von FFF, die vor unüberlegten Entscheidungen warnen. Laut der Börsenzeitung machen auch Banken, Energiehändler, Energiebörsen sowie Elektrizitätsunternehmen bei den EU-Gesetzgebern gegen mögliche Einschränkungen beim ETS mobil. In einem gemeinsamen Schreiben von acht europäischen Verbänden an die zuständigen Spitzen von EU-Kommission und -parlament sowie die tschechische Ratspräsidentschaft warnen sie davor, dass das heutige effiziente Funktionieren des ETS erheblich beeinträchtigt werden könnte, was dann auch Europas Dekarbonisierungsbemühungen gefährden könnte. In dem Brief betonten die Verbände noch einmal, dass ein vielfältiges Ökosystem von Teilnehmern sicherstelle, dass der CO2-Markt widerstandsfähig, einfach und kostengünstig zugänglich sei. Zudem sei er dann auch besser gerüstet, um Unternehmen Absicherungs- und Risikomanagementlösungen anzubieten. Um ihre Dekarbonisierungsziele zu erreichen, brauche die EU einen liquiden und widerstandsfähigen Markt.
Hintergrund für diesen Appell sind die aktuell laufenden Schlussverhandlungen für eine Reform des Emissionshandels, die Teil des großen Klimapakets „Fit for 55“ ist. Zu den Vorschlägen des EU-Parlaments gehört dabei, die Teilnahme am Handel mit CO2-Zertifikaten auf Compliance-Stellen und bestimmte Finanzintermediäre zu beschränken. Dies soll helfen, Marktspekulationen zu verhindern, und damit ein Schritt gegen die hohen Energiepreise sein. Die EU-Kommission und die überwiegende Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten lehnen eine solche Beschränkung zwar vernünftiger Weise ab. Die betroffenen Verbände befürchten aber, dass diese Ideen trotzdem noch Teil eines Kompromisses werden könnten. Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft möchte eine Einigung zur Reform des ETS unbedingt noch im vierten Quartal festzurren.
Die Preise für EUA hatten sich vor gut einem Monat erneut an die 100-Euro-Marke herangewagt, bevor die besagten Äußerungen die Marktteilnehmer zutiefst beunruhigten. In der vergangenen Handelswoche hatte sich der Kurs zunächst mangels Orientierung in einer Seitwärtsbewegung knapp oberhalb von 70 Euro gehalten, doch am Freitag fielen die EUAs dann um bis zu 7,2 % auf ein neues Sechsmonatstief, weil die Händler auf die Nachricht reagierten, dass auch Deutschland über ein größeres Einnahmeziel durch den zusätzlichen Verkauf von EUA im Rahmen des sogenannten „RePowerEU“-Plans nachdenkt. Es geht demnach nicht nur darum, durch einen niedrigeren CO2-Preis fossile Energie zu verbilligen, sondern auch um Sondererlöse aus dem Verkauf zusätzlicher Emissionszertifikate aus der Marktstabilitätsreserve (MSR).
Hierfür gibt es gewiss andere wirksame Instrumente. Außerdem widerspricht ein solches Vorhaben nicht nur dem Sinn und Zweck des ETS und der MSR, sondern es ist auch kurzsichtig gedacht, denn schon durch den bisherigen Preisverfall, welcher allein auf Verunsicherungen basierte, hat die EU bei den Versteigerungen wöchentlich rund 250 Millionen Euro weniger eingenommen, als dies bei einem soliden Auktionsergebnis möglich gewesen wäre. Was also kurzfristig eine Zusatzeinnahme sein soll, würde sich dauerhaft als finanzieller Verlust erweisen.
(Durchschnittliche Börsenkurse / OTC)
Instrument
16.09.22
23.09.22
Veränderung
EUA (Spotmarkt)
73,08 EUR
65,61 EUR
-7,47 EUR
EUA (Dezember-2022-Future)
73,27 EUR
65,77 EUR
-7,50 EUR
VER (Carbon Offsets)
9,42 USD
9,40 USD
-0,02 USD
VER (CORSIA eligible carbon credits)
4,18 USD
4,03 USD
-0,15 USD
nEZ (nationale Emissionszertifikate (D))
30,00 EUR
30,00 EUR
+0,00 EUR
ICE Brent Crude Oil (Benchmark Future)
91,46 USD
86,75 USD
-4,71 USD
EURO (Currency, Forex)
1,0014 USD
0,9690 USD
-0,0324 USD
(Die durchschnittlichen Börsenkurse und OTC-Preise zeigen das jeweilige Mittel von Angebot und Nachfrage verschiedener Handelsplätze für CO2-Emissionsrechte. Bid und Ask weichen üblicherweise mehrere Cent vom Mittelwert ab. Rohöl und Euro zeigen Börsenschlusskurse. Bei den VER-Kursen handelt es sich um Durchschnittskurse (carboncredits.com), welche im Rahmen von CORSIA und der freiwilligen Kompensation Verwendung finden können. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information. Sollten Sie den Newsletter nicht mehr beziehen wollen, bitten wir um eine kurze Nachricht an den Absender.)
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