Emissionshandel / CO2 – Marktbericht vom 09.01.2023

Sehr geehrte Damen und Herren,

In seinem Jahresrückblicke zog das Bundesumweltamt (UBA) eine positive Bilanz des Emissionshandelssystems (ETS) im so besonderen Jahr 2022. Darüber kann man mit Recht erstaunt sein, wenn man berücksichtigt, dass nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine der CO2-Preis in Richtung der 50-Euro-Marke abstürzte und von gewissen Kreisen starke Eingriffe bis hin zur Aussetzung des ETS gefordert wurden. Wie das BMU resümierte, beliefen sich allein die deutschen Auktionserlöse aus dem Europäischen Emissionshandel im vergangenen Jahr auf über 6,8 Milliarden Euro, was ein deutliches Plus gegenüber den 5,3 Milliarden Euro im Jahr 2021 darstellt.

Die Veräußerungserlöse aus dem nationalen Emissionshandelssystem (nEHS) für Wärme und Verkehr lagen mit rund 6,4 Milliarden Euro unterhalb des Vorjahres (7,2 Milliarden Euro im Jahr 2021). Das lag laut BMU leider nicht an sinkende Emissionen im Verkehrs- und Gebäudebereich, sondern vielmehr am Beschluss des Gesetzgebers, die ursprünglich für 2023 vorgesehene Preissteigerung auf 35 Euro um ein Jahr zu verschieben. Damit kosten Zertifikate in den Jahren 2022 und 2023 einheitlich 30 Euro. Einige Unternehmen haben den Erwerb ihrer Zertifikate deshalb nach 2023 verschoben. Die 2022er Emissionen können nämlich auch mit Zertifikaten des Jahres 2023 abgegolten werden. Kumuliert lagen aber die Gesamteinnahmen beider Systeme mit mehr als 13 Milliarden Euro noch knapp über dem Ergebnis von 2021.

Dirk Messner, Präsident des UBA, hob in dem Bericht hervor, dass die CO2-Bepreisung über den Emissionshandel ein entscheidender Hebel sei, um die Klimaziele zu erreichen, da hierdurch maßgebliche Impulse für den klimaschonenden Umbau unserer Gesellschaft gesetzt würden. Die Einnahmen aus dem EU-ETS und dem nEHS fließen vollständig in den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Aus diesem Sondervermögen werden aktuell Programme wie die Bundesförderung im Gebäudebereich, die Weiterentwicklung der Elektromobilität inklusive des Ausbaus der Ladeinfrastruktur, der Aufbau der Wasserstoffindustrie oder die Förderung der Energieeffizienz gefördert. Auch die Abschaffung der EEG-Umlage wird aus dem KTF finanziert, das hat im vergangenen Jahr zu einer Entlastung bei den Stromkosten beigetragen.

Im Bericht wird zudem verdeutlicht, dass 2022 mit rund 85 Millionen deutlich weniger Emissionsberechtigungen als im Jahr davor an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig für Deutschland versteigert (2021: 101 Millionen) wurden. Gleichzeitig stieg der Preis der Emissionsberechtigungen aber erheblich an: Im Durchschnitt lagen EUA mit 80,32 Euro deutlich oberhalb des Vorjahres (2021: 52,50 Euro). Im Vergleich zu 2020 (24,61 Euro) hat sich der durchschnittliche Erlös sogar mehr als verdreifacht. Am 19.08.2022 wurde mit 96,87 Euro der höchste Preis bei einer deutschen Auktion seit Einführung des ETS erzielt.

Jürgen Landgrebe, Leiter des Fachbereichs „Klimaschutz, Energie, Deutsche Emissionshandelsstelle“ im Umweltbundesamt zog ebenfalls ein positives Fazit: „Die starken Preissteigerungen sind maßgeblich auf den im vergangenen Jahr intensivierten europäischen Reformprozess zur Anhebung des Ambitionsniveaus im EU-ETS für den Zeitraum bis 2030 zurückzuführen. Die Marktteilnehmer haben erkannt, dass die politischen Rahmenbedingungen auf mehr Klimaschutz ausgerichtet werden. Das setzt die erforderlichen ökonomischen Anreize für Investitionen in klimaschonende Technologien und Produktionsweisen. Die Preisentwicklung des vergangenen Jahres kann damit auch als Vertrauensbekenntnis der Marktakteure in die Reformfähigkeit der europäischen Klimapolitik gewertet werden“.

Das neue Jahr begann mit außergewöhnlich hohen Temperaturen. Außerdem zeigten die Anstrengungen bei der Abkehr von russischen Energieträgern Erfolge und die Gasspeicher sind weitgehend gut gefüllt. Das wirkte sich signifikant an den Energiemärkten aus. So hat der europäische Gaspreis in den ersten Handelstagen des neuen Jahres seine Korrektur fortgesetzt. Am Mittwoch wurde der Terminkontrakt TTF für niederländisches Erdgas zeitweise bei rund 67 Euro je Megawattstunde gehandelt. Das ist die niedrigste Notierung seit Februar 2022, vor Beginn des Krieges in der Ukraine. Der CO2-Preis konnte sich dem Sog der Indizes nicht entziehen und durchbrach auf seiner Talfahrt wichtige Unterstützungslinien. Der Dezember Benchmark-Kontrakt gab auf Wochenbasis rund 8 Prozent nach.


Am heutigen Montag starten die Auktionen an der EEX. Da sich am Freitag in dünnem Handel der CO2-Preis auf niedrigem Niveau konsolidierte, darf man gespannt sein, wie die Auktionen nach der Winterpause angenommen werden.

  (Durchschnittliche Börsenkurse / OTC)   
Instrument30.12.2206.01.23Veränderung
EUA (Spotmarkt)83,51 EUR75,86 EUR-7,65 EUR
EUA (Dezember-2023-Future)83,97 EUR77,39 EUR-6,58 EUR
VER (Carbon Offsets)4,60 USD3,50 USD-1,10 USD
VER (CORSIA eligible carbon credits)3,84 USD2,98 USD-0,86 USD
nEZ (nationale Emissionszertifikate (D))30,00 EUR30,00 EUR+0,00 EUR
ICE Brent Crude Oil (Benchmark Future)83,02 USD78,51 USD-4,51 USD
EURO (Currency, Forex)1,0701 USD1,0644 USD+0,0057 USD

(Die durchschnittlichen Börsenkurse und OTC-Preise zeigen das jeweilige Mittel von Angebot und Nachfrage verschiedener Handelsplätze für CO2-Emissionsrechte. Bid und Ask weichen üblicherweise mehrere Cent vom Mittelwert ab. Rohöl und Euro zeigen Börsenschlusskurse. Bei den VER-Kursen handelt es sich um Durchschnittskurse (carboncredits.com), welche im Rahmen von CORSIA und der freiwilligen Kompensation Verwendung finden können. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information. Sollten Sie den Newsletter nicht mehr beziehen wollen, bitten wir um eine kurze Nachricht an den Absender.)

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